Die Liebesgeschichte von Margret und Karl Voelkel

By 8. Juni 2016Voelkel

Aus den Lebenserinnerungen von Margret Voelkel:

„Aber nun war ich frei, stand im Beruf, war für mich selbst verantwortlich und wollte nun nach meiner Überzeugung handeln und leben. (…) Ich hatte schon in Erfahrung gebracht, dass für mich in meinem Alter und in meiner Lebenslage der „Bund deutscher Wanderer“ in Frage kam und dass die nächste Ortsgruppe in Wilhelmshaven sei; das war natürlich zu weit, um an den Festabenden teilnehmen zu können, aber ich wollte mit den Menschen erst mal in Verbindung kommen, mit denen ich hoffte, Lebensziele gemeinsam zu haben. Ich schrieb einen Brief an die Adresse in Wilhelmshaven, die ich in einer Zeitschrift fand, berichtete ganz offenherzig, wie es um mich stand, was ich suchte, was ich zu finden hoffte. Ich erhielt lange, lange keine Antwort. „Nun, denn nicht“ dachte ich, „es gibt ja noch andere Gruppen.“

Endlich, ich hatte die Hoffnung ganz aufgegeben, kam ein Brief von einem Matrosen aus Wilhelmshaven, namens Karl Voelkel.

Wie es zu dieser späten Antwort gekommen war, hat er mir später erzählt. Der Brief wurde in der Runde vorgelesen und es hieß: „Das Mädchen muss eine Antwort haben“, keiner war bereit, jeder – es war Krieg – verstärkt im Einsatz. So steckte der Briefwart den Brief in seine Tasche. Nach mehreren Wochen, als er mit Karl Voelkel zusammentrifft, zieht er den Brief aus der Tasche und sagt: „Der Brief muss beantwortet werden, tue du es doch.“ „Zeig mal her“, sagte Karl Voelkel, liest noch mal und sagt „Lust habe ich nicht, aber ich tue es, mich interessiert die Handschrift.“ So erhielt ich einen netten, interessanten Bericht von dem Leben in der Gruppe.

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Als ich den Brief zu Ende gelesen hatte, überkam mich ein ganz seltsames Erlebnis. Ich las den Namen Karl Voelkel laut vor mich hin, meine Lippen formten sich wie von selbst und ich hörte mich sagen: „Margret Voelkel“.

Ich war darüber sehr erschrocken, nie hatte ich daran gedacht, mir einen Freund zu kapern, etwa zu heiraten, und nun kam ein solcher Gedanke hoch, ich war böse mit mir selbst. Viel später ist mir klar geworden, dass sich da eine harmonische Begebung anbahnte und dass dieses erste Aussprechen des Namens aus einer tiefen Bewusstseinsschicht heraufkam.

So kam es zu einem interessanten Briefwechsel, jeder berichtete von seinem Leben und Treiben, seinem Denken und Tun. Bis eines Tages ein Brief kam, in dem er erzählte, dass er Urlaub bekäme, seine Schwester in Thüringen besuchen wolle und dass die Eisenbahnroute über Osnabrück ginge. Da wollte er den kleinen Abstecher machen und mich besuchen, es wäre doch ganz schön zu wissen, mit wem man sich schreibe. Ich war einverstanden, machte im Gasthaus ein Quartier aus; er kam und wollte am nächsten Tag weiterreisen. Das war eine seltsame Begegnung, so als ob man einen uralten Bekannten wiedertraf und etwa sagen würde: „Ja, da bist du ja“. Es war eine wunderschöne Begegnung, er blieb drei Tage, und als er ging, wussten wir, dass wir zusammengehörten, dass wir aufs Land gehen und siedeln wollten und gemeinsam ein neues Leben aufbauen.“

Auszug aus: „Gefundene Wege. Lebenserinnerungen der Siedler Karl und Margret Voelkel“, Voelkel GmbH, 2013.