Drei Fragen an… Bertram Verhaag

Bertram Verhaag sitzt in einem Cafe

Bertram Verhaag hat neun Dokumentationen zum Thema Gentechnik und Agrogentechnik gedreht. Für seinen neuesten Film Code of Survival wurde er sogar mit dem Salus Medienpreis 2017 ausgezeichnet. Mit diesem Film eröffnet er auch das Biolebensmittel Camp 2018. Wir haben davor schon drei Fragen an ihn.

1.) Welche Begegnung war Ihre beeindruckendste mit einem Gentechnik Befürworter?

In Mississippi – USA begegnete ich einem Gentec-Farmer, der alleine mit gigantischen Maschinen gigantische Felder bewirtschaftete. Unsere Begegnung für ein Interview dauerte nur knapp 2h. Er begann zu erzählen, dass ihn sein Vater vor 50 Jahren als 5-jährigen Bub einen Traktor fahren lies. Er schwärmte geradezu über seine Liebe zur Natur, zum Boden, über das Aufbrechen der Pflanzen im Frühjahr – als sei er ein erdverbundener Biobauer.

Dieses Gefühl wolle er jetzt auch seinem 6-jährigen Sohn vermitteln, meinte er und konnte nicht verhindern, dass ihm die Tränen hochkamen. Andererseits glaubt er den Versprechungen von Monsanto – dass nur sein Genmais die wachsende Weltbevölkerung ernähren könne.

Er persönlich baue diesen Süßmais an, er esse ihn und er liebe ihn – aber er  sei nicht naiv – ich hatte ihm gegenüber nicht verschwiegen, dass ich anderer Meinung sei. Dann konfrontierte er uns mit Fragen nach meinem evtl. Hirntumor erzeugendem Handy, der Mikrowelle im Hotelzimmer oder den dunklen Traktorabgasen.

Ein unglaublich lieber und empfindsamer Mensch, der die arbeitssparenden Gifte der Industrie annimmt, da er auch keine bezahlbaren Farmarbeiter findet. So löst er sein Dilemma – von dem er durchaus weiss – getröstet von der Prämisse der Industrie „nur so können wir die 7 oder 8 oder 10 Milliarden Menschen ernähren“.

2.) Wie gelingt es Ihnen immer die Hoffnung auf eine lebenswerte Welt zu behalten, da Sie ja sehr umfangreiches Hintergrund-Wissen haben?

Das ständig wachsende Hintergrundwissen und das Entdecken immer weiterer Zusammenhänge zu dieser gigantischen Zerstörung und Ausbeutung unserer Lebensgrundlage – dem lebendigen Boden – treibt mich immer wieder an. Andererseits glaube ich an eine Umkehr, eine Einsicht und einfach an den gesunden Menschenverstand, der uns hoffentlich wieder zur Besinnung bringt.

Dies wachsende Bewusstsein bei einer wachsenden Zahl von ‚aufwachenden‘ Menschen zu befördern und zu unterstützen, treibt mich an und gibt mir Hoffnung.

3.) Gibt es eine Faustregel die Sie dem Konsumenten zum Thema Lebensmittel Konsum vermitteln können?

Fragen, fragen, fragen…beim Bäcker, beim Metzger und auch im Supermarkt. Wenn wir etwas im Regal stehen lassen und anderes vermehrt kaufen, teilen wir den Erzeuger unsere Wünsche mit – und er wird – anders als Politiker – unmittelbar reagieren und das Sortiment umstellen.

Wie heißt es so schön „Wer zahlt schafft an“.

Foto: Waldemar Hausschild