Kati Drescher und Nadine Binias im Berliner Magazin Zitty

By 5. Oktober 2010Presse über uns
Kati Drescher und Nadine Valencic im Zitty Magazin

Bettina Homann ist die Frau für die Mode beim Berliner Magazin Zitty. Ihre Anfrage, uns zu einem Interview zu treffen, hat uns nicht nur sehr gefreut, sondern kam auch zum perfekten Zeitpunkt, denn es gab einiges zu erzählen. Die Eco Fashion Szene hat sich entwickelt, sich an manchen Stellen vielleicht sogar ein wenig selbst überholt. Die Frage nach der Vermarktung und Vermarktbarkeit leitet für zahlreiche Designer die zweite Stufe ihrer Existenz ein: wo verkaufe ich, wie verkaufe ich, verkaufe ich genug, um davon leben zu können? Und spätestens an diesem Punkt müssen sie sich mit den konventionellen Mechanismen unserer Gesellschaft und unserer Wirtschaft auseinandersetzen. Mit Bettina Homann haben wir uns darüber unterhalten, welche Konsequenzen das hat und warum Shopping in Zukunft noch mehr Spaß machen wird.

„Es macht keinen Sinn, alle drei Wochen ein neues Kleid zu kaufen“

Kati Drescher und Nadine Valencic machen mit ihrer Agentur Sieben & Siebzig Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen aus dem Bio-Bereich, darunter viele Mode-Labels. zitty sprach mit ihnen über die Vermarktung von Nachhaltigkeit.

Hier geht´s zum Interview 

Unterscheidet sich die Vermarktung von ökologisch korrekten Produkten von herkömmlichen?

Drescher: Ja. In unserem Bereich gibt es sehr viel mehr Informations-Bedarf. Uns werden sehr viele kritische Fragen gestellt. Wir müssen also sehr viel genauer Auskunft geben können darüber, wo und wie die Produkte hergestellt werden, die wir vertreten.

Valencic: Ehrlichkeit und Transparenz sind sehr wichtig. Wenn sich herausstellt, dass etwas behauptet wird, das nicht stimmt, ist der Image-Schaden enorm. Für die ganz Branche.

Nachdem Nachhaltigkeit zurzeit ziemlich schick ist, wird sie gerne mal einfach behauptet. Welche Kriterien setzen Sie an?

Drescher: Wir kennen die Branche mittlerweile sehr gut und können einschätzen, aus welcher Ecke die Kunden kommen. Bei neuen und kleinen Labels oder Unternehmen befragen wir zum einen unser Gefühl und zum anderen sehr intensiv den Kunden selbst. Es kommt dann durchaus vor, dass wir Unternehmen absagen.

Valencic: Bei kleinen regional arbeitenden Unternehmen ist es natürlich viel leichter, die behaupteten Standards auch nachzuvollziehen. Große Textil-Unternehmen können ja selbst mit gutem Willen nicht wissen, wer in welchem Hinterzimmer ihre Sachen zusammennäht.

Ist das Etikett „öko“ verkaufsfördernd?

Drescher: Es ist schon so, dass immer mehr Menschen Wert darauf legen, Dinge zu kaufen, die gesund und nachhaltig sind. Aber das Produkt selbst muss überzeugen. Das muss eher so funktionieren, dass ein Kunde es haben möchte, weil er es toll findet und dann feststellt: „ach, das ist bio, um so besser.“

Es darf also nicht das Haupt-Verkaufsargument sein?

Drescher: Auf keinen Fall. Das kann ja auch nach hinten losgehen. Gerade Mode-Designer wollen oft nicht in die Öko-Ecke.

Im Gegensatz zu Lebensmitteln ist das Etikett „bio“ für Mode also gar nicht immer so erstrebenswert?

Valencic: Nicht unbedingt. Besonders bei szenigen Mode-Läden fehlt da noch die Offenheit. Viele Ladenbetreiber reagieren immer noch eher abweisend, wenn sie „Öko-Mode“ hören. Da muss schon wenigstens von Eco-Fashion sprechen (lacht)

Ist das auch der Grund, warum manche Labels, die nachhaltige Mode machen, diese Tatsache lieber nicht in den Vordergrund stellen?

Valencic: Ja. Da gibt es noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten. Als wir während der Fashion Week im Juli einige unserer Labels im Eco Showroom vorgestellt haben, haben einige Besucher ganz erstaunt gesagt: „Wow, das ist ja wirklich Fashion!“

 

Ist es aber nicht wichtig, die Nachhaltigkeit zu betonen, um zu rechtfertigen, dass die Sachen teurer sind?

Drescher: Sie sind ja gar nicht teurer. Es kommt darauf an, womit man sie vergleicht. Eine Gesichtscreme von Dr. Hauschka ist beispielsweise nicht teurer als eine von Shiseido. Eine Tasche von Ksia, deren Leder umweltfreundlich gegerbt und gefärbt wurde, kostet nicht mehr als eine Tasche von Kaviar Gauche. Es sind beides Designer-Stücke.

Da bewegen wir uns eher im gehobenen Preis-Segment.

Drescher: Billig kann nicht das Ziel sein.Man muss ganz deutlich sagen: Ein wesentlicher Aspekt von Nachhaltigkeit ist weniger und überlegter zu kaufen. Es macht keinen Sinn, alle drei Wochen ein neues Kleid zu kaufen. Deshalb produzieren die meisten der Designer, die wir vertreten, auch jenseits der üblichen Kollektions-Rhythmen und entwerfen Teile, die auch in drei Jahren noch schön sind.

Heißt das in letzter Konsequenz, dass man sich die Lust am Shoppen abgewöhnen sollte?

Drescher: Es geht überhaupt nicht darum, konsumfeindlich zu werden, sondern darum, gut informiert bewusst zu entscheiden, was man kauft. Dann macht das Einkaufen vielleicht sogar noch mehr Freude.

 

Zwar ist Nachhaltigkeit ein großes Thema, der tatsächliche Marktanteil von Öko-Produkten, insbesondere im Modebereich ist aber immer noch verschwindend gering. Was muss passieren, damit sich das ändert?

Valencic: Wir brauchen einen langen Atem. Immer mehr Designer aus den Bereichen Mode und Produkt-Design kommen zur Nachhaltigkeit. Und zwar nicht aus dem Wunsch, die Welt zu retten, sondern weil sie darüber nachdenken, sinnvolle Produkte zu machen. Diese enorme kreative Energie ist am Markt noch nicht so sichtbar. Das liegt auch daran, dass die meisten Öko-Labels minimale Marketing-Budgets haben. Aber es entwickelt sich. Langsam zu wachsen ist in Ordnung. Auch das ist mit Nachhaltigkeit