Wie wir das bloggen lieben lernten

By 28. November 2017Produktnews

Endlich ist es soweit: unsere Studie mit dem Titel: „Blogger, Vlogger, Influencer – Zukunft der Zusammenarbeit mit Unternehmen aus der Bio-Branche“ wird veröffentlicht. Sie kann als PDF Version gegen eine Schutzgebühr von 49,- € per Mail über studie@sieben-siebzig.de angefordert werden. Für uns als Agentur begann die Ära der Blogger bereits im Jahre 2007. Was genau dazu führte, dass Blogger uns so ans Herz gewachsen sind, beschreiben wir in der folgenden Anekdote aus unserer Agenturgeschichte. Leider war die Geschichte für das Vorwort der Studie zu lang 😉

Im Jahr 2007 begann in der Agentur sieben&siebzig die Ära der Blogger. Ein Kunde, ursprünglich aus den USA, mit Sitz in Deutschland, wollte sein Produkt auf dem deutschen Markt platzieren und hatte mit gesetzlichen Restriktionen hinsichtlich der klassischen Werbung umzugehen. Für diesen Kunden entwickelte die Agentur sieben&siebzig ein über zwei Jahre laufendes Konzept, in dem Fahrräder eine besondere Rolle spielten. Hunderte Räder wurden in deutschen Großstädten- und einer Kleinstadt verteilt, um zu sehen, wie es um die Solidarität der Bewohner bestellt ist und ob die Fahrräder im Stadtbild sichtbar blieben. Die Herausforderung war, die Dokumentation dieses Projekts für die Öffentlichkeit sicherzustellen, zeitnah und möglichst spannend.

Wir machten uns das damals noch sehr neue Phänomen „Web-Log“ zunutze. Wir engagierten eine Reporterin (heute würde man sie Bloggerin nennen) und schickten sie in einigen der Städte zusammen mit einem Fotografen auf Tour. Tag und Nacht waren die beiden unterwegs, um den Rädern und vor allem den Nutzern auf den Fersen zu bleiben, sie kennenzulernen, zu interviewen. Selbstverständlich war aufgrund des farblichen Brandings klar, welches Unternehmen der Absender war. Selbst im werbefernen Kreuzberg kam das Projekt gut an, denn es hatte einen eindeutigen Mehrwert für die potentiellen Endkunden und wurde charmant, fast in Echtzeit, humorvoll und mit großartigen Texten und Bildern dokumentiert. Von einer authentischen Reporterin. Einer Bloggerin also.

Diese Anekdote aus der Agenturvergangenheit soll verdeutlichen, was Blogs ursprünglich einmal waren und auch heute teilweise noch sind: ein von persönlichen Erfahrungen geprägtes, digitales Tagebuch, welches die Faszination in sich birgt, öffentlich sichtbar zu sein und von denjenigen gelesen zu werden, die sich tatsächlich für den Inhalt interessieren. Das Wissen darum, dass Tausende die eigenen Geschichten lesen können, dass die Meinung ins Gewicht fällt und man selbst „da draußen“ wahrgenommen wird, waren die Hauptantriebskräfte für das rasante Wachstum der Blogs.  Auf der anderen Seite zeigt das Beispiel aber auch sehr anschaulich, wie einzelne Agenturen und Unternehmen schon früh erkannten, welches Marketingpotential in Blogs und Bloggern schlummerte.

In den Folgejahren lernten wir als Agentur mehr und mehr Blogger kennen, mehrheitlich junge Frauen, die Geschichten aus ihrem Alltag erzählten und ihr eigenes spezielles Interessengebiet zum öffentlichen Thema machten. Neben der Mode, die ja häufig ein gesellschaftlicher und damit auch kommunikativer Vorreiter ist, entstanden viele Food- und Beauty-Blogs. Im Verlauf der Zeit spezialisierten sich einzelne BloggerInnen auf Nischen wie z.B. Naturkosmetik oder das Vegetariertum. Aus den Vegetariern wurden Veganer, die Naturkosmetik-Blogger entdeckten Youtube als Bewegtmedium für sich, Instagram trat auf die Bühne. Weblogs hießen nur noch Blogs, wer Video machte, nannte sich Vlogger und der Begriff Influencer nahm Fahrt auf.

Die Faszination dieser neuen Medien liegt unter anderem in dem sehr offenen Umgang mit der eigenen Person, ihrer Darstellung und Inszenierung und natürlich in der scheinbar unendlichen Reichweite, die mit der Digitalisierung einhergeht. Seit dieses Potential großen Unternehmen weltweit bewusst ist, entstehen die sogenannten Youtube-Stars, werden einzelne Blogger zu gut bezahlten Talkshow-Gästen oder füllen Instagrammer Konzerthallen. Die eigene Meinung auf dem Blog wird auf einmal zur wertvollen Werbebotschaft, Influencer spielen eine enorme Rolle beim Empfehlungsmarketing und lassen sich ihre Blogbeiträge oder Instagram-Posts teilweise sehr gut bezahlen. Sie werden von Managern betreut und einige von ihnen sind Mitglieder in großen Vermarktungsnetzwerken.

Daneben gibt es Hunderte, vielleicht Tausende von Bloggern und Vloggern, die inhaltlich hoch interessante Online-Medien betreiben, aber den Sprung zur riesigen Reichweite oder zur Berühmtheit (noch) nicht geschafft haben – manchmal auch gar nicht wollen. Diejenigen nämlich, die weiterhin zuerst aus Überzeugung ihre Geschichten und Meinungen formulieren und erst in zweiter Linie damit ein Einkommen generieren wollen. Viele dieser Influencer betreiben ihren Kanal nebenberuflich oder gar als ein zeitaufwändiges Hobby.

Nicht für jedes Unternehmen ist die Reichweite der entscheidende Faktor bei der Zusammenarbeit mit Influencern. Viele haben bereits erkannt: Je nischiger der Kanal bzw. je spezifischer das Thema desto stärker der Effekt auf den Rezipienten. Es geht also nicht mehr nur darum, möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern die Richtigen und diese vorzugsweise auch zur Interaktion zu bewegen. Insbesondere seit bekannt wurde, dass Reichweiten auf Facebook oder Instagram künstlich erkauft oder durch sogenannte Bots in die Höhe getrieben werden, sind Leser und User, aber auch Unternehmen kritischer geworden beim Blick auf die Zahlen. Was nutzt eine Reichweite von über 100.000 Followern wenn die Mehrzahl davon aus Fake-Profilen bestehen? Die Qualität von Influencern zeigt sich also auch darin, dass sie nicht nur mit ihren Inhalten, sondern auch mit ihren Lesern integer und ehrlich umgehen.

Für Unternehmen ist das essentiell, denn sie geben einem Influencer das Vertrauen, ihre Marke zu repräsentieren und damit aktiv an dessen Image mitzuwirken. Ist die Auswahl der Influencer beliebig und nur auf Masse ausgelegt, werden die Konsumenten dies über kurz oder lang bemerken.